Windhunde Arabiens

Hundezüchter Hamad Al Ghanem aus DubaiWie bei den Pferden, gibt es für den Hund in der arabischen Sprache ebenfalls 2 Begriffe. Das Wort Kalb, das den "unreinen" Hund beschreibt und das Wort Saluki für den Windhund.

Das ihre sehr edel gezüchteten Hunde als unreine Köter angesehen wären, hätten sich die Beduinenstämme auch verbeten. Schließlich trugen die Hunde zum Lebensunterhalt der Familie bei und je nach Jagdgeschick konnte der Preis eines Hundes durchaus für den eines guten Pferdes gleichziehen. Als die besten Hundezüchter des Morgenlandes taten sich die Beduinenstämme der Hamayans, Aulad-Sidi-Cheikh, der Harrar, Arbaa und der Aulad Nail hervor. Ihre Tiere galten als die elegantesten und schnellsten Jäger. Die Ahnentafeln der besten Hunde befinden sich immer noch im Besitz der großen Scheichs, auf jahrhundertealtem Pergament geschrieben.

Weitaus älter sind natürlich die Darstellungen des alten Ägyptens. Als eines der ersten Kulturzentren der Welt, standen die Pharaonenreiche auf einer sehr hohen künstlerischen Stufe. Ab dem Jahr 2500 v. Chr. waren Abbildungen von Jagdszenen häufig. Immer mit dabei der Hund. Dargestellt wurde eine eigenartiger Typ. Der Tesem. Große Stehohren und eine eng über den Rücken gerollte Rute kennzeichnen ihn. Zahlreiche mumifizierte Tesem-Windhunde aus dieser Zeit, geben uns ein gutes Bild von dieser Rasse wieder. Ein getreues Abbild bis in die heutige Zeit, haben sich die Pharaonenhunde besonders in den spanischen Ländern erhalten. Dort sieht man sie immer noch recht häufig.

Für die Beduinen waren diese Hunde aber nicht geeignet. Sie waren zu groß und zu schwer. Leichte, graziele Hunde waren in der Wüste gefragt. Und schnell mußten sie sein. Um die Schnelligkeit seines Salukis festzustellen, legten die Beduinen 3 Finger zwischen die Hüftknochen. Hatten sie dort Platz, war es ein geeignetes Tier für die Jagd. Schließlich mußte der Hund entweder alleine oder mit dem Falken zusammen Hasen, Gazellen und Antilopen jagen. Die äußere Erscheinung der Windhunde trügt. Ihre zarte, zerbrechlich wirkende Gestalt steht im krassen Widerspruch zu ihrer erstaunlichen Robustheit und die Fähigkeit auch erheblichen, körperlichen Anforderungen stand zu halten. Eiskalte Wüstennächte und die Gluthitze des Tages haben eine widerstandsfähige, sehr spezialisierte Hunderasse entstehen lassen. Der Windhund jagt mit den Augen. Er ist ein "Sichtjäger", denn in den weiten Steppen und Wüsten ist ein scharfer Blick gefragt, um dem Wild lautlos hinterher zu hetzen.

Anders als andere Jagdhunde hat es ein Windhund nicht nötig durch ständiges Lautgeben seinen Standort an den Jäger an zugeben. Sein Herr kann ihn mühelos in der Weite der Steppe mit dem bloßem Auge verfolgen und so braucht der Windhund seine Lungen nicht mit überflüssigem Gebell zu belasten. Quer über dem Sattel des Pferdes, vor seinem Besitzer liegend, ging es also hinaus zu Jagd. Die kostbaren Windhunde wurden oft zu Kamel oder Pferde, besonders auf den langen Wanderungen transportiert. So sollten die empfindlichen Pfoten vor dem heißen Wüstensand geschont werden. Verständlich, denn die Jagd mußte erfolgreich enden, damit die oft sehr langen Tagesritte nicht umsonst waren. Es wurden also leichte Hunde gebraucht, die keine Belastung darstellten, denn Wasser wurde schließlich auch immer noch mitgeführt. Da zählte jedes zusätzliche Gramm. Der grazile Körperbau der Windhunde kam diesem Umstand aber sehr zugegen.

Überhaupt ist die ganze Erscheinung des Hundes auf die Hetzjagd ausgelegt. Schlanke, sehnige Glieder, durchdringende Augen und die leidenschaftliche Passion des echten Jägers. Geboren für den atemberaubenden Lauf in der unendlichen Steppe, für die Jagd in der freien Wildbahn. Wer könnte ihm hier dieses Erlebnis je geben ?

SalukiDas Windhunde bei uns in einer völlig unnatürlichen Umgebung gehalten werden, ist damit wohl klar. Das gilt zwar für einige andere Hunderassen auch, aber die Windhunde trifft es wohl am meisten. Durch jahrtausendelange Zuchtauswahl ist ein hoch spezialisierter Jagdhund entstanden, der auch seine besonderen charakterlichen Eigenarten hat. Zwar lebten die Windhunde mit dem Menschen immer in einem weitaus engeren Verhältnis zusammen als jede andere Hunderasse, trotzdem sind sie als Gesellschaftshunde nur bedingt geeignet. Ein Windhund ist nie aufdringlich und hat eine natürliche Zurückhaltung, will aber die Zuneigung und Aufmerksamkeit seines Menschen. Grobheiten und Dressur sind ihm zuwider. In einem lauten, lebhaften Haushalt fühlt er sich fehl am Platz. Mit Kleinkindern weiß er nichts an zufangen und als Wachhund ist er nicht zu gebrauchen. Mit gepflegten Umgangsformen kommt er am besten zurecht und ist ein angenehmer, ruhiger Zeitgenosse.

SalukiUm das Herz eines solchen Hundes zu gewinnen braucht man keine Leckerein für ihn bereit zu halten. Bei ihm geht die Liebe nicht durch den Magen ! Sein menschlicher Dosenöffner ist eher nebensächlich, aber die Person, die ihm den größten Bewegungsfreiraum gibt, ist sein klarer Favorit. So groß ist sein Drang zum Laufen. Wer also mit der Anschaffung eines solch sehr dekorativen Hundes liebäugelt, sollte sich vorher genauesten informieren, was auf ihn zukommt. Mit einem Abendspaziergang ist es nicht getan. Fachverbände und die Züchter der verschiedenen Rassen können weiterhelfen, diesen herrlichen Tieren wenigsten einen halbwegs angemessenen Lebenraum zu geben. Denn selbst eine luxuriöse 120 qm Wohnung im Grünen wird von den Wüstenkindern gerne gegen ein Beduinenzelt im heißen Arabien eingetauscht.



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